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Biografie Margrit Roesch

1880

Geburt und Herkunft

Am 15. April 1880 wird Margrit Tanner als Tochter von August Tanner (1845 - 1907) und Johanna Tanner, geborene Müller (1854-1883) in eine Stickereifabrikantenfamilie geboren. Sie wächst mit dem älteren Bruder Raymond auf, der später mit seiner Frau in die USA auswandert. Früh muss es für Margrit klar gewesen sein, dass sie eine künstlerische Laufbahn einschlagen würde. 

1883

Tod der Mutter

Gerade mal drei Jahre alt verliert Margrit Tanner ihre ihre Mutter Johanna. Ihr Vater August Tanner heiratete in zweiter Ehe Anna Freuler (+1915).

1896

Besuch der École des Beaux-Arts in Genf

Früh muss es für Margrit Tanner klar gewesen sein, dass sie eine künstlerische Laufbahn einschlagen würde. 1896-1899 besucht sie die École des Beaux-Arts in Genf, wo sie 1898 und nochmals 1899 für ihr Können eine Auszeichnungsmedaille erhält.

 

1900

Zeichenunterricht bei Hermann Gattiker

1900 nimmt Margrit Tanner in Zürich Zeichenunterricht bei Hermann Gattiker (1865–1950). Im selben Jahr wird im St. Galler Tagblatt die Künstlerin Margrit Tanner gelobt für ein Chromotypie-Postkartenset zu den einstigen Stadttoren, die sie nach alten Originalen in Aquarell gestaltet hat. Mit ihren in Genf erworbenen Fachkenntnissen betätigte sie sich auch im familieneigenen Stickereibetrieb.

1907

Tod des Vaters

Im April 1907 besucht Margrit in London ihre dorthin gezogene Freundin Martha Rosenheim-Reichenbach. Im September stirbt ihr Vater.

1909

Margrit Tanner und Hanne Bachofen, um 1910

Weiterbildung in München bei Wilhelm Debschitz

1909 reist Margrit mit ihrer Freundin Hanni Bachofner (1876–1963) für zwei Jahre nach München zur Weiterbildung am fortschrittlichen Lehr- und Versuchs-Atelier für angewandte und freie Kunst von Wilhelm Debschitz. An dieser modernen Kunstschule holte sich 1910 auch Sophie Taeuber-Arp ihre Grundlagen. Margrit kennt sie und schätzt ihre Kunst, wie sie dem Schaffhauser Maler Erich Brändle (*1943) erzählte, der als Bub von ihr künstlerisch gefördert wurde.

1910

Margrit Tanner und Carl lernen sich in München kennen.

1911

Werbekarte für das kunstgewerbliche Atelier, © CMR-Stiftung

Kunstgewerbliche Werkstatt mit Hanne Bachofner

1911 gründen Margrit Tanner und Hanni Bachofner (1876-1963) an der Schützengasse 2 in St. Gallen ein kunstgewerbliches Atelier. Sie empfehlen sich für die Ausführungen von Metallarbeiten, Porzellanmalerei, Leder- und Buchbinderarbeiten, Batiktextilien. Zudem bieten sie eine Unterricht im Zeichnen und Malen für Kinder und Erwachsene an.

Im Oktober organisierten die ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Depschitzateliers Hanni Bachofner, August Meinrad Bächtiger, Anton Blöchlinger und Bertha Odermatt im St. Galler Kirchhoferhaus eine kunstgewerbliche Ausstellung.

1911

Margrit und Carl Roesch um 1911k © CMR-Stiftung

Am 19. Juli 1911 verloben sich Margrit Tanner und Carl Roesch und heiraten am 27. November des gleichen Jahres.

Im historischen Toggenburgerhaus direkt am Rhein in Diessenhofen beziehen sie eine geräumige Wohnung. Auch eine Glasmalerei-Werkstätte befinden sich im Haus, was für Carls Scheiben-Aufträge von Bedeutung ist. Das Bestreben des jungen Künstlerpaares ist es, den Lebensunterhalt mit Kunsthandwerk und Grafik zu bestreiten und finanziell frei zu sein für weitere künstlerische Pläne.

 

1912

Reise nach Paris und Beuron

Im Mai reist das jung verheiratete Paar nach Paris, wo sie bei Otto (1886-1971) und Milica Alder wohnen können. Im August des gleichen Jahres besucht das Paar das Kloster Beuron, wo der Malermönch Willibrord Verkade (1868-1946) in der Benediktinerabtei eine wichtige Malschule aufgebaut hat. Carl berichtet in einem Brief an seine Frau: „Und doch kann ich nie dir einen Begriff beibringen, wie unsäglich gross unsere Kunsterlebnisse waren. So gross, dass man buchstäblich darunter litt. Von van Gogh hatten wir keine Ahnung, Cézannes waren so schöne da wie bei Pellerin in Paris. Dann Gauguin, ein fabelhafter Mensch. Ich möchte sagen, dass er mir der nächste war (...)unzählige Grecos, eine unfassbare Kunst, gewaltige Courbets, von denen man keine Ahnung hatte und dann wieder Cézanne, dass uns der Kopf wackelte.“  

1912 setzt eine vertiefte Auseinandersetzung des Paares mit der Avantgardekunst ein. Anlass dazu ist eine Ausstellung des "Modernen Bundes" im  Zürcher Kunsthaus, in der neben der Werke der Mitglieder auch solche der Münchner Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, etwa von Franz Marc, Paul Klee oder Wassily Kandinsky, dann aber auch von Pariser Avantgardisten wie Robert Delaunay oder Henry Matisse zu sehen sind. Margrit Roesch kommentiert in einem Brief an ihren im Hegau weilenden Mann diese Ausstellung leicht abschätzig: „...ein Spass ist da der blaue Reiter, den müssen wir im Zigeunerlager studieren. Eure gestrigen Skizzen wären würdig, eingereiht zu werden. Alles Alte drin ist wohl schön, sehr schön, aber ob die Jungen dasselbe im Auge haben ist eine Frage." In München entdeckt Roesch in der Galerie von Hans Goltz Werke von Picasso: „Mittags war ich in einer ganz neuen Kunsthandlung am Odeonsplatz. Lauter Modernstes und (es) sind keine Kunstwerke darunter, so ist doch die Anregung in kunstphilosophischer Hinsicht sehr interessant.(...) Picasso ist unglaublich künstlerisch...“  

 

 

1913

Engagement im Schweizerischen Werkbund

Am 17. Mai 1913 wird im Zürcher Kunstgewerbemuseum der Schweizerische Werkbund gegründet. Ob Carl und Margrit Roesch mit dabei waren, ist nicht überliefert. Sie gehören aber zu den frühen Mitgliedern der Vereinigung. Die Mitgliedschaft von Carl ist verbürgt, jene von Margrit ist aufgrund von ihren vielfältigen Aktivitäten in diesem Umfeld zumindest als wahrscheinlich anzunehmen. 

1914

Umzug ins Haus

Im März ziehen Margrit und Carl in eine neue Wohnung im neben dem Siegelturm gelegenen Haus „Zum Neubau“ um. 

1915

Wettbewerbserfolg

Im November 1915 gewinnt Margrit den 1. Preis eines Wettbewerbs der Schweizerischen Linoleum-Fabrik in Giubiasco mit Entwürfen für Linoleum-Muster.

1918

Beteiligung an der Werkbund-Ausstellung in Zürich

Margrit Roesch beteiligt sich an der Werkbund-Ausstellung in Zürich. Es kann allerdings nicht genau erschlossen werden, welche Objekte von ihr gezeigt werden, wie überhaupt wenig bekannt ist über ihr kunsthandwerkliches Schaffen. 

1919

Gemeinsames Arbeiten

Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrier sich Carl Roesch vermehrt auf sein freies künstlerisches Schaffen und wird darin massgeblich von Margrit unterstützt. Sie verzichtet zusehends auf kontinuierliches künstlerisches Schaffen. Ihre Berufung sieht sie vermehrt in der kritischen Begleitung der Arbeit von Carl. Alle paar Tage stellt ihr Mann seine neusten Arbeiten zur Begutachtung an die Wand. „Wir hielten zusammen Gericht“, nannte dies Carl. Entstehendes befragen, beurteilen und beeinflussen, das sind intensive Atelierstunden für beide. Es ist Margrits Beitrag, dass sie schnell sieht, wo was fehlt, was nicht stimmt und was, wie zu ändern wäre. In gewissem Sinn entwickeln und beschreiten die beiden Carls künstlerischen Weg gemeinsam. 

1926

TExtilentwurf, undatiert, © CMR-Stiftung

Einrichtung eines Webstuhls

Im Tagebuch von Carl Roesch findet sich am 12. Januar 2026 den lapidaren Eintrag: "Fräulin Iberg richtet den Webstuhl ein". Da von Carl keine Textilarbeiten bekannt sind, ist anzunehmen, dass dieses Gerät von Margrit Roesch genutzt wird, von der sich mehrere Entwürfe für Stoffe erhalten haben.

Kontaktadresse
Carl und Margrit Roesch-Stiftung
Markus Landert, Stiftungsratspräsident
Lachenstrasse 25a
8500 Frauenfeld

kuratorium@carl-roesch.ch