Geburt und Herkunft
Carl Roesch kommt am 9. Mai als älterer von zwei Söhnen des Schreiners Titus Roesch und seiner Frau Thomasine Roesch-Traber im deutschen Dorf Gailingen zur Welt. Getauft wird er auf den Namen Karl Josef. Sein Grossvater mütterlicherseits arbeitet als Küfer im unweit des Städtchens Diessenhofen gelegenen ehemaligen Kloster St. Katharinental. Carl wächst bei
seiner Grossmutter in Diessenhofen auf. Rückblickend schildert er seine Jugend als schwierige Zeit: „Mein Charakter hatte ja auch etwas Brüchiges davon getragen, denn eine Erziehung habe ich mir selber geben müssen“. Bereits als Jugendlicher ist er ein begeisterter Zeichner. Sein Wunsch Zeichenlehrer zu werden, wird mit der Begründung abgelehnt, eine solche Ausbildung sei zu teuer.
Lehrjahre in handwerklichen Berufen
Carl Roesch wird von seinem Vater vorzeitig aus der dritten Sekundarklasse genommen und einem Schreiner in die Lehre gegeben. Nach einem wenig erfolgreichen Jahr erfolgt der Wechsel in eine Schlosserei. Carl Roesch erleidet einen gesundheitlichen Zusammenbruch.
Ausbildung am Technikum in Winterthur
Im April 1900 kann Carl Roesch eine Ausbildung als Maschinenzeichner an der damals schweizweit einzigen technischen Mittelschule in Winterthur beginnen. Im Herbst 1900 wechselt Carl Roesch von der Abteilung Maschinenbau an die bis 1882 vom renommierten Münchner Kunstgewerbezeichner Anton de Seder geleitete Kunstgewerbeabteilung des Winterthurer Technikums. Er absolviert während fünf Semestern eine noch ganz im 19. Jahrhundert wurzelnde, kunstgewerbliche Ausbildung, deren Kern in der Aneignung eines festgelegten Vokabulars historisierender Stilelemente bestand.
Theatererfahrungen
An der Aufführung des Theaterstücks „Karl der Kühne und die Eidgenossen“ in Diessenhofen sammelt Carl Roesch in der Rolle eines Berner Kriegers erste Theatererfahrungen. Die Inszenierung dieses Stücks des damaligen Erfolgsdramatikers Arnold Ott leitet August Schmid (1877-1955), der ebenfalls aus Diessenhofen stammt, und der zu Roeschs „erstem und anregendem Kollege der Kunstgewerbezeit“ wird. Ein Jahr später lädt Schmid Carl Roesch auch ein, an der aufwändigen Kulisse der gigantisches Freilichtfestspieles der Schaffhauser Zentenarfeier mitzuwirken. Carl Roesch beginnt seine Karriere als Künstler so im Theaterumfeld.
Bezug eines ersten Ateliers in Diessenhofen
Schon 1902 bezieht Carl Roesch sein erstes Atelier in Diessenhofen, in dem er neben den Bildungsaufenthalten in Karlsruhe und München eine erfolgreichen kunsthandwerkliche Tätigkeit beginnt. Jahre später blickt er in seinem Tagebuch zurück: „Vom 18. bis zum 22. Altersjahr hatte ich im Amtshaus mein Atelier. Auf dem Arbeitsbank der frühen Holzschneider, die die Druckstöcke anfertigten, machte ich meine ersten Holzschnitte und die ersten Lithografien wie die „Trinkstube zur Zinne““.
Kunstgewerbeschule in Karlsruhe
Im April 1903 verlässt Roesch die Kunstgewerbeschule in Winterthur ohne Erwerb eines Fähigkeitszeugnisses, jedoch mit einem Attestschreiben seines Lehrers Prof. Louis Calame (1863-1931). In dessen Atelier hat er als Student während der Ferien- und Studienzeit regelmässig gearbeitet. Roesch zieht nach Karlsruhe, wo er an der Kunstgewerbeschule ein Semester Kurse in Figurenzeichen, Flächenmalen und Dekorationsentwerfen sowie in kunstgewerblichem Entwerfen und Zeichnen belegt.
Der noch nicht 20-jährige Mann wendet sich zielstrebig dem Tätigkeitsfeld eines Grafikers zu. Er beteiligt sich am Wettbewerb für einen Diplomentwurf der „VII. Schweizerischen Landwirtschaftlichen Ausstellung“ in Frauenfeld, wo er den dritten Preis gewinnt. Gleichzeitig versucht er mit einem Holzschnitt eines Diessenhofener Hinterhofes bei der damals renommierten Kulturzeitschrift „Die Schweiz“ als Illustrator unterzukommen. Im November beauftragt ihn sein ehemaliger Lehrer Louis Calame mit der Ausführung von Dekorationsmalereien in der Stadtkirche Diessenhofen.
Ausbildung in München
Im Januar 1904 zieht Roesch nach München, einer der wichtigsten Kunstmetropolen Europas, und schreibt sich an der Heinrich Wolff-Privatschule für Grafische Künste ein. Sein Traum, „Mitarbeiter der ‚Jugend’ zu werden, der besten Kunstzeitschrift in Deutschland“, erfüllt sich bereits einige Wochen später. Er fühlt sich zur Gebrauchsgrafik hingezogen und betätigt sich daher auch als kunstgewerblicher Zeichner. Er nimmt regelmässig an den von der renommierten Zeitschrift ‚Kunst und Dekoration’ ausgeschriebenen Wettbewerben teil und gewinnt wiederholt ein Lob und kleinere Geldbeträge.
Carl Roesch verkehrt im Kreis des gestandenen Schweizer Künstlers Albert Welti (1862-1912), zu dessen Bewunderern er gehört. Er fühlt sich zur Gebrauchsgrafik hingezogen und lernt in Carl Franz Moos (1878-1959) einen Gesinnungsgenossen kennen: „Carl Moos, ein in München bekannter Maler hat sich mir angeschlossen und beide arbeiten (wir) jetzt eifrig auf die Erfüllung unseres sehnlichsten Wunsches zu: den ersten Verein „praktischer Künstler“ in der Schweiz zu bilden. Praktisch soll vor allem unsere Devise sein. Die Schweiz steht im Kunstgewerbe sehr nieder und hat einmal solche Künstler nötig.“
Erste Ausstellungserfolge
Nach einem weiteren Aufenthalt in München im Winter 1905 beginnt Carl Roesch in seiner Heimat als Kunsthandwerker und Künstler Fuss zu fassen.
Ins Jahr 1905 fällt auch der Beginn einer von einem Briefwechsel begleiteten Freundschaft mit der Winterthurer Sammlerin Hedy Hahnloser. Neben verschiedenen Aufträgen arbeitet Carl Roesch auch für die Teilnahme an ersten Ausstellungen. Im Dezember kann er erstmals seine Werke an der Weihnachtsausstellung in der Winterthurer Kunsthalle zeigen und erntet positive Kritik:. „Das sind keine ausgetretenen Geleise, überall Neues, Frisches, Verblüffendes in Inhalt und Form, Komposition und Technik.“, schreibt der Kunsthistoriker und nachmalige Kurator des Winterthurer Museums, Paul Fink, dazu im Feuilleton des Winterthurer Tagblattes. „Man sieht, Roesch kommt vom Kunstgewerbe her, und gerade das kann ihn stark und gross machen. Wenn sich auch aus der Vielgestaltigkeit seines Schaffens noch keine fest umrissene Eigenart herausschälen lässt, so ist doch bestimmt zu erwarten, dass mit der Zeit aus dem schäumenden Most ein abgeklärter, gehaltvoller Wein werde.“
Erste Bilderverkäufe
Im Herbst 1906 kann Roesch in der Winterthurer Kunsthalle seine erste Einzelausstellung zeigen und er nimmt an der Winterthurer Weihnachtsausstellung teil. Georg Reinhart erwirbt beim jungen Künstler eines seiner ersten Bilder. 1922 erinnert sich der Kunstsammler in einem Brief an Roesch an diesen besonderen Kauf:„Dass ich es der Mühe wert fand, das Bild in den Katalog aufzunehmen, ist selbstverständlich, wie schon aus meinem Vorwort hervorgeht. Es kommt aber noch das Moment hinzu, dass das Bildchen insofern eine besondere Bedeutung auch heute noch für mich hat, als Sie mir damals sagten, dass es Ihr erstes Bild gewesen sei, das Sie überhaupt gemalt hätten, während es anderseits mein erster Ankauf eines Bildes war".
Seinen Lebensunterhalt verdient der junge Künstler aber hauptsächlich mit der Erledigung von Illustrationsaufträgen oder mit Dekorationsmalereien, etwa im Schulhaus von Winterthur-Veltheim des Architekten Robert Rittmeyer (1868-1960).
Im Herbst absolviert der trotz Herzfehlers als militärtauglich befundene 22-jährige Roesch eine 10-wöchige Übung im Lazarett von Konstanz. Obwohl in Diessenhofen aufgewachsen ist der Künstler noch immer deutscher Staatsbürger.
Kunstgewerbeschule Zürich und Raumkunstausstellung
Auf Empfehlung von Hedy Hahnloser besucht Carl Roesch nach einem weiteren Aufenthalt in München ein Semester an der Kunstgewerbeschule Zürich. Diese ist vom Belgier Jules de Praetere (1879-1947) nach neuesten Grundsätzen der Kunstgewerbebewegung reformierten worden.
Carl Roesch beteiligt sich an der von Hedy Hahnloser im Winterthurer Inneneinrichtungsgeschäft Weber-Hofman initiierten ersten Schweizer Raumkunstausstellung und fällt dem Kritiker der NZZ, Hans Trog, mit seinen „kräftigen getönten Holzschnitten als entschieden begabter junger Künstler“ auf.
Theatererfahrungen
Anfang des Jahres besucht Carl Roesch seinen Freund August Schmid (1877-1955), der in Berlin bei Max Reinhardt hospitiert. Mit dem einige Jahre älteren Regisseur organisiert er in Diessenhofen die Freilichtaufführunge des Stücks „Götz von Berlichingen“. Er entwirft Plakat, Kostüme und realisiert das Bühnenbild. Die Inszenierung erregt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen der Region hinaus. Tausende besuchen das Theaterspektakel in Diessenhofen. Roesch selber konstatiert zwei Jahre später in einem Brief an Margrit Tanner nüchtern: „Die Sache hatte mehr Mühe, Schweiss und Ärger gekostet als die fertige Arbeit aussieht. Meine Theater-Epoche ist jedenfalls für immer abgeschlossen und lässt mich kühl (...). Schön wars allerdings früher , wenn die Musik anhub, der Vorhang sich öffnete und Tausende im Banne waren. Da fühlt man sich etwas als Hauptnerv – doch diese Sachen kitzeln zu stark den Ehrgeiz und können auf die Länge gefährlich werden – stille Künstler-Arbeit taugt für mich besser!“
Verhaftet in einer romantisch erzählerischen Grundhaltung
Im November zeigt Roesch eine Einzelausstellung in der Winterthurer „Kunsthandlung Zum Hohen Haus“. Im Landboten ist eine freundliche Kritik zu lesen: „Die Kunsthandlung im „Hohen Haus“ beherbergt für einige Tage wieder eine sehenswerte Bilderausstellung: etwa 30 Stilleben, Zeichnungen und Gemälde kleinern Formats von Carl Rösch, der seine gut gewählten Motive in feiner Weise auszuführen versteht. Wir erwähnen namentlich auch die stimmungsvollen Hegauer Landschaften. Ebenso erfreut der „ruhende Bauer“ durch seine kräftige Charakteristik.“
Zur Sammlerin Hedy Hahnloser zeichnet sich eine zunehmende Disanz ab. Winterthur steht immer mehr im Banne einer französischen, nachimpressionistischen Kunstauffassung, die malerische Effekte vor romantische Erzählfreude stellt. Sie kündigt ihre Bereitschaft, ihn weiter zu unterstützen auf, da ihre Ansichten und die Veranlagungen des Künstlers nicht übereinstimmen würden.
Lernt in München Margrit Tanner kennen
Carl Roesch beteiligt sich mit zwei Radierungen an der Eröffnungsausstellung des Neubaus des Zürcher Kunsthauses.
Während eines Münchenaufenthaltes lernt er die vier Jahre ältere Margrit Tanner kennen. Sie ist die Tochter des St. Galler Stickereifabrikanten August Tanner und besucht in München nach einem dreijährigen Studium an der École des beaux arts in Genf die renommierten „Lehr- und Versuch-Ateliers für angewandte und freie Kunst“ von Wilhelm Debschitz. Die beiden beginnen einen Briefwechsel, der bis zu ihrer Heirat andauert.
Neue Monumentalität
In München hat Roesch den Künstler Hans Marées für sich entdeckt. In einem Brief an Margrit schreibt er: „Für jene Stunden, die mit wirklichen produktiven Werten geizen und uns in einen traurigen und ohnmächtigen Zustand versetzen hab’ich eine vorzügliche Arznei: Marées Werk. Nicht dass es uns, je mehr man in diese geheimnisvolle Tiefe eindringt, abschreckt und den Willen lähmt – im Gegenteil aus Seite für Seite strömt Stärkung künstlerischer Gefühle und Ahnungen, neuer, feiner Perspektiven."
Für das Treppenhaus der Familie Corradini in Chur kann Roesch zwei grossformatige Gemälde malen. Die monumentale Bildauffassung der Figurenkonstellation verrät den Einfluss von Marées, während sich die Farbigkeit eher an der französischen Malerei orientiert. Im Oktober 2011 kann er die beiden für die Villa Corradini bestimmten Bilder zusammen mit kleineren Werken in der Kunsthalle Winterthur präsentieren. Die Kunstkritik lobt den "Zug stiller Grösse" in seine Gemälde "Der Vorleser".
Kunstgewerbliche Erfolge
Carl Roesch kann mit Wand- und Glasmalerei sowie Entwürfen für plastischen Bauschmuck als Kunstgewerbler mehrere Aufträge realisieren. Er arbeitet mit Thurgauer und Schaffhauser Reformarchitekten Kellenberger&Wildermuth, Bischoff&Weideli und anderen zusammen. Für das Hauptgebäude der Kantonsschule Frauenfeld von Brenner&Stutz kann er den Bühnenbereich des Singsaals ausmalen. Daneben entstehen verschiedene Glasscheiben, Dekorations- und Lünettenmalereien für Schulhäuser, Kirchen oder Wohnhäuser. An Margrit Tanner schreibt er: „Ich glaube nun doch, dass du einen Fresco Maler kriegst. Die feinste, des Künstlers würdigste Beschäftigung. Wie oft bin ich in Stein und Schaffhausen stundenlang vor den Werken eines Tobias Stimmer gestanden. Prachtskerle von Renaissancemenschen.“
Erste Italienreise gemeinsam mit August Schmid. Besuch von Mailand, Padua und Venedig. „Landschaft und Leute sind so unberührt und fein. So frei von aller ostschweizerischen Kleinlichkeit und Unfreiheit, so wie gewachsen – man wird ein anderer Mensch und zu Hause erst werde ich es fühlen, dass es wirklich etwas gibt, danach ich mich sehnte.“
Verlobung und Heirat
Am 19. Juli verloben sich Carl und Margrit und planen eine gemeinsame kunstgewerblerische Existenz. Carl schreibt in einem Brief an seine zukünftige Frau: „Wir kriegen ein feines Heim und gutes Geschäft, dem Herrgott sei gedankt. Und unten zur Tür hinaus, wandern nur feine Sachen in die Welt“.
Im Oktober nehmen beide gemeinsam an einer Ausstellung angewandter Kunst mit den vier ehemaligen Debschitz-Schülern Berta Odermatt, Hanni Bachofner, Anton Blöchlinger und August Meinrad Bächtiger im St. Galler Kirchhoferhaus teil.
Am 27. November 1911 heiraten Carl und Margrit und beziehen eine Patrizierwohnung im unmittelbar an den Rhein gebauten Haus des Diessenhofener Glasmalers Toggenburger. Auch eine Glasmalerei-Werkstätte befinden sich im Haus, was für Carls Scheiben-Aufträge von Bedeutung ist. Das Bestreben des jungen Künstlerpaares ist es, den Lebensunterhalt mit Kunsthandwerk und Grafik zu bestreiten, um finanziell frei zu sein für weitere künstlerische Pläne.
Reise nach Paris
Im Mai reist das jung verheiratete Paar nach Paris, wo sie bei Otto (1886-1971) und Milica Alder wohnen können. Für Carl Roesch wird der Besuch beim Kunstsammlers Auguste Pellerin (1853 - 1923) wichtig, der über 90 Werke von Cézanne besitzt. Im August reist das Paar nach Beuron, wo der Malermönch Willibrord Verkade (1868-1946) in der Benediktinerabtei eine wichtige Malschule aufgebaut hat. Im September reist Carl zusammen mit Wilfried Buchmann über Frankfurt, nach Köln und Düsseldorf. Besuche der Städelschen Sammlung, einer Sonderbundausstellung sowie Privatsammlungen hinterlassen tiefe Eindrücke. So schreibt Carl an seine Frau: „Und doch kann ich nie dir einen Begriff beibringen, wie unsäglich gross unsere Kunsterlebnisse waren. So gross, dass man buchstäblich darunter litt. Von van Gogh hatten wir keine Ahnung, Cézannes waren so schöne da wie bei Pellerin in Paris. Dann Gauguin, ein fabelhafter Mensch. Ich möchte sagen, dass er mir der nächste war (...)unzählige Grecos, eine unfassbare Kunst, gewaltige Courbets, von denen man keine Ahnung hatte und dann wieder Cézanne, dass uns der Kopf wackelte.“ Im Verlauf des Sommers folgen mit den Malerkollegen Wilfried Buchmann und August Schmid mehrere Aufenthalte im nahen Hegau.
1912 setzt eine vertiefte Auseinandersetzung des Paares mit der Avantgardekunst ein. Anlass dazu ist eine Ausstellung des "Modernen Bundes" im Zürcher Kunsthaus, in der neben der Werke der Mitglieder auch solche der Münchner Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, etwa von Franz Marc, Paul Klee oder Wassily Kandinsky, dann aber auch von Pariser Avantgardisten wie Robert Delaunay oder Henry Matisse zu sehen sind. Margrit Roesch kommentiert in einem Brief an ihren im Hegau weilenden Mann diese Ausstellung leicht abschätzig: „...ein Spass ist da der blaue Reiter, den müssen wir im Zigeunerlager studieren. Eure gestrigen Skizzen wären würdig, eingereiht zu werden. Alles Alte drin ist wohl schön, sehr schön, aber ob die Jungen dasselbe im Auge haben ist eine Frage." In München entdeckt Roesch in der Galerie von Hans Goltz Werke von Picasso: „Mittags war ich in einer ganz neuen Kunsthandlung am Odeonsplatz. Lauter Modernstes und (es) sind keine Kunstwerke darunter, so ist doch die Anregung in kunstphilosophischer Hinsicht sehr interessant.(...)Picasso ist unglaublich künstlerisch...“
Engagement im Schweizerischen Werkbund
Carl Roesch tritt in den am 17. Mai 1913 gegründeten Schweizerischen Werkbund ein. Die Organisation wird schnell zu einem Sammelbecken innovativer Gestalterinnen und Gestalter. Viele seiner zukünftigen Aufträge verdankt der Diessenhofener Künstler diesem Beziehungsnetz.
Ende August reist Carl Roesch zusammen mit August Schmid und Wilfried Buchmann nach Rom, wo ihn die Dynamik der Stadt fast mehr beeindruckt als die antiken Ruinen.
Im Oktober beteiligt sich Roesch mit einem Glasgemälde sowie drei für die St. Josefskirche bestimmten Fenstern an der Ausstellung „Raum und Bild“ des Zürcher Kunstgewerbemuseums. Die Kritiken sind positiv, so heisst es in den Zürcher Nachrichten: „Ein bedeutendes Talent für die Glasmalerei scheint unser enger Landsmann Kunstmaler Carl Roesch von Diessenhofen zu besitzen. (...) Für die neue St. Josefskirche in Zürich hat Roesch drei Brustbilder des hl. Andreas, des hl. Johannes des Täufers und des hl. Heinrich geschaffen, drei Köpfe, die zum Besten Gehören, was wir von neuerer Glasmalerei gesehen haben.“ Zudem kann er weitere Aufträge in Zürich realisieren.
Zürcher Szene
Carl Roesch trifft sich im Café Odeon regelmässig mit einem innovativen Künstlerkreis, zu dem neben Hermann Huber, Paul Bodmer, Reinhold Kündig und Otto Kappeler auch der 1913 von Adolf Hölzel aus Stuttgart zurückgekehrten Otto Meyer-Amden gehört. Er kann mehrere Plakataufträge realisieren, darunter das Plakat für die Theaterkunstausstellung im Kunstgewerbemuseum Zürich. Am Krematorium des Schaffhauser Waldfriedhofs entsteht als Supraporte das Fresko "Läuterung".
Umzug ins Haus
Im März ziehen Margrit und Carl in eine neue Wohnung im neben dem Siegelturm gelegenen Haus „Zum Neubau“ um. Carl richtet sich ein neues Atelier ein.
Teilnahme an der Werkbundausstellung in Zürich
Carl Roesch erhält den Auftrag, die Eingangshalle der Schweizerischen Werkbundausstellung in Zürich mit sechs hochformatigen Gemälden zu gestalten. Er erhält so die Möglichkeit, an einem repräsentativen Ort seine Fähigkeit der Raumgestaltung einem breiten Publikum vorzustellen.
Bei seiner Suche nach einem passende Ausdruck grenzt sich Carl Roesch vermehrt von einem städtischen Umfeld und dessen Kultur des Argumentierens ab . Gleichzeitig verkehrt er weiterhin regelmässig in der Zürcher Kunstszene, nicht zuletzt auch, um Aufträge zu akquirieren. Er beteiligt sich am Wettbewerb zur Bemalung des Altstadthauses «Rüden» in Zürich, wobei hinter dem erstplatzierten Paul Bodmer nur der dritte Rang herausschaut. Erfolgreicher verläuft ist die Umsetzung eines Auftrags für Glasscheiben der reformierten Kirche in Kölliken, die er im Auftrag von Haller, Ulrich & Pfister Architekten realisieren kann.
Auszeit und Studium im Haus von Max und Emmy Padel in Bern
Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrier sich Carl Roesch vermehrt auf sein freies künstlerisches Schaffen und wird darin massgeblich von Margrit unterstützt.
Vom 21. Mai bis 28. Juni lebt Roesch in Bern, wo er im Gartenpavillon von Max und Emmy Padel-Sommer. Max Padel ist in leitender Position in der «Sommer AG Lebensmittel» tätig, die er nach dem Tod seines Schwiegervaters Johann Sommer 1933 als Direktor führt. Die Padels sind Kunstfreunde und besitzen unter anderem Werke von Cuno Amiet. Während dieses Aufenthalts beschäftigt sich Roesch intensiv mit der Kunst von Paul Cézanne, Wassily Kandinsky und Pablo Picasso. Er kommt dabei zur Erkenntnis, dass jede Art von Gegenständlichkeit formalen Gesetzmässigkeiten unterworfen werden muss: «Rhythmus der Linien und Farbflecken, Aufbau des Flächigen, das Leben im Kubischen ist der Inhalt [der Malerei]. Sie braucht keine andere Stofflichkeit.»
Hauskauf in Diessenhofen
Im Dezember 1921 kauft das Ehepaar das Haus «Zum Frohsinn», womit der Entscheid verbunden ist, sich definitiv in Diessenhofen niederzulassen. Der Hauskauf ist ein Hinweis darauf, dass der Roesch-Haushalt trotz der allgemeine schwierigen wirtschaftlichen Situation nach dem Krieg über nicht unbedeutende Mittel verfügt. Ob diese durch die Erwerbstätigkeit von Carl erwirtschaftet sind oder von Seiten der Familie von Margrit stammen, lässt sich nicht erschliessen. Im Verlauf des Jahres 1922 bauen sie sich das Haus nach ihren Vorstellungen um.
Aufträge für Kirchen in Schlatt und Amriswil
Ab 1922 kann Carl Roesch Aufträge für grosse Bilderzyklen für die reformierte Kirche in Amriswil, Schlatt und Rüschlikon (Einweihung Oktober 1928) abschliessen. Obwohl solche Aufträge den Unterhalt des Haushalts sichern, fühlt sich Roesch davon von seiner künstlerischen Tätigkeit abgehalten. So schreibt er am 14. Oktober ins Tagebuch: "Glasscheiben, nichts als Glasscheiben. Eine wunderbare Aufgabe und doch ist die Vehemenz der Arbeit durch die kurz bemessene Frist imstande, eine Eintönigkeit des Gehirns hervorzubringen. Ich verfluche eine Zeit, die keine Geduld für ein Kunstwerk übrig hat und Kunst bestellt, als ob sie im Warenhaus zu haben wäre. Ich leide schwer darunter. Heute die grosse Kreuzigung beendet."
Mosaik: Entdeckung einer neuen Ausdrucksform
Carl Roesch beginnt am Ufer des Rheins Steine zu sammeln, die er von Hand zerschlägt und zu Mosaiken legt. Er versucht über die Technik des Mosaiks zu einem einfachen und klaren Ausdruck zu kommen: „Man hat die Form oder überhaupt nicht. Man sieht deutlicher als in jeder anderen Technik, was man macht. Man hütet sich, ohne sicher zu sein.“ Roesch richtet sich in seinem Atelier eine Mosaikwerkstatt ein und beginnt, fasziniert von den künstlerischen Möglichkeiten dieser Technik, mehrere Köpfe zu legen. An der Jahresausstellung der GSMBA im Zürcher Kunsthaus zeigt der Künstler mehrere seiner aus Natursteinen gefertigten und deshalb farblich sehr zurückhaltenden Mosaiken. „Meine Mosaiken sehen wirkungsvoll aus, müssen aber eine grössere Tiefe und stärkeren Ausdruck erhalten“, meint Roesch selbstkritisch.
Mosaik als Ausdrucksform für Aufträge im öffentlichen Raum
Carl Roesch gestaltet die Hauptportale an der von Heinrich Bräm im Stil des Neuen Bauens errichteten Zürcher Sihlpost. Die aus «wetterfestem Steinzeugmosaik» gefertigten, dekorativ angeordneten Einzelszenen überwinden die abgedroschene Postillionromantik des 19. Jahrhunderts und thematisieren den weltumspannenden Verkehr des modernen Postwesens. Die Bilder werden in der Julinummer der Zeitschrift Das Werk publiziert.
Bau eines neuen Ateliers
Im April kauft Roesch in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses Bauland an der Steinerstrasse 7 und beginnt mit dem Bau eines Ateliers nach selbst entworfenen Plänen. Nur wenige Monate später kann er jubeln: «Im neuen Atelier! Mein Wunsch ist endlich erfüllt. Im Mai, an meinem Geburtstag begonnen. Anfangs August zum Einziehen bereit. [...] Ich kann nie den Weg von der Wohnung ins Atelier gehen, ohne ständig wachsendes Glücksgefühl zu spüren. Ein Abfallen des Alltags, ein Dahintenlassen all der Bürgerlichkeit, die mir zu nah war.»
1932 fügen die Roesch dem Atelierbau ein Wohnhaus an, weitere Anbauten wie ein zweiter Atelierraum und eine Mosaikwerkstatt folgen im Lauf der Jahre.
Reise nach Paris
Im März 1931 verkaufen Carl und Gret Roesch das Haus zum Frohsinn und brechen auf für eine Reise nach Paris. Im Gepäck zwei Mosaike und Malutensilien. Der Entscheid für den Bau des Wohnhauses muss zu diesem Zeitpunkt schon gefallen sein.
Der Aufenthalt in Paris dauert acht Wochen vom 6. März bis Anfang Mai. Die ersten vier Wochen leben sie beim Kollege Charles Hug, weitere vier Wochen in einem Atelier an der Rue Antoine Chantin. Die Roesch machen in dieser Zeit die Bekanntschaft von jüngeren Künstlern, die in den folgenden Jahren zu den wichtigen Gesprächspartnern werden. Dazu gehören Ernst Morgenthaler, Max Gubler, Max Hunziker oder der Bildhauer Hans Jakob Meyer.
Bis Ende des Jahres sind die Roesch mit der Planung und dem Bau des ans Atelier angegliederten Wohnteils beschäftigt. Er lässt sich dabei vom Architekten der Sihlpost, Heinrich Bräm, beraten. Bis der Neubau des Wohnhauses bezugsbereit ist, logieren Carl und Margrit Roesch im neuen Atelierraum. In der Julinummer der Zeitschrift "Das Werk" wird der Atelierbau als Beispiel des Neuen Bauens abgebildet.
In den Folgejahren reisen Carl und Margrit Roesch - manchmal allein, manchmal zu zweit - mehrmals nach Paris, wo sie Teil einer lebendigen und vorwärtsschauenden Kunstszene sind.
Aufträge für Kunstwerke im öffentlichen Raum
Carl Roesch feiert 1934 seinen fünfzigsten Geburtstag und steht auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Er kann mehrere Aufträge für Kunstwerke im öffentlichen Raum realisieren. Die Aufgabenstellungen und vom Künstler erarbeiteten Lösungen sind dabei höchst unterschiedlich. So entsteht ein Mosaik an der Schmiede Wiedikon in Zürich, eine Zementmalerei im Badepavillon der befreundeten Familie Schmidheiny in Heerbrugg und ein Fresko an der Chorwand in der neugebauten Kirche in Oberuzwil. Gleichzeitig entfaltet Roesch eine reiche malerische Tätigkeit.
An der Weltausstellung in Paris
Carl Roesch erhält den Direktauftrag für die Realisierung eines Mosaiks im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Paris. Im gleichen Jahr gewinnt er den Wettbewerb für die Gestaltung des Postgebäudes in Rapperswil, wo er ebenfalls ein Mosaik realisiert. Mit diesen viel beachteten Aufträgen erreicht seine Karriere einen ersten Höhepunkt.
Haus zum Ritter und andere Erfolge.
Am 26. August 1939 beendigt Roesch mit seiner Signatur die Arbeit am Haus zum Ritter. Die Nachschöpfung der Fassadenmalerei des Renaissancekünstlers Tobias Stimmer (1539-1584) hat ihn zwei Jahre lang intensiv beschäftigt. Die Einweihung der Fassade am 9. September wird für Roesch zu einem grossen Triumph. Wichtige Persönlichkeiten der Kulturszene sind nach Schaffhausen gereist und gratulieren dem Künstler zu seinem Werk.
Die Einweihung der Fassade fällt zeitlich mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs zusammen, der auf das kulturelle Leben einschneidende Auswirkungen hat.
Paralell zur Arbeit am Ritter konnte konnte eine Mosaik an der Fassade des Postgebäudes in Rapperswil realisieren und auch an der Schweizerischen Landesausstellung 1939 ist er mit mehreren Werken vertreten.
Krieg
Der Krieg und die damit verbundene Angst vor einem Einmarsch, verändert die Lebenssituation des unmittelbar an der Grenze zu Deutschland lebenden Künstlerpaares massiv: „Jeden Morgen braucht es Mühe, sich in die verrückte Lage hineinzufinden.“ Und weiter schreibt er: „Wir besitzen nur das, was wir sind und was uns nicht genommen werden kann.“ Das Malen wird Carl Roesch durch kriegsbedingte Einschränkungen erschwert: Stacheldrähte werden gezogen, die Bäume in der Schusslinie der Befestigungsanlage gefällt. Da Aufträge für Arbeiten im öffentlichen Raum kriegsbedingt seltener werden, kann sich Roesch vermehrt dem freien Schaffen zuwenden. 1946 notiert er dazu: „Abend am warmen Ofen eine Mappe meiner Sammlung durchgesehen. Das wirkt wie ein Tag Paris.“
Ganz ohne öffentliche Aufträge muss Roesch auch in den Kriegsjahren nicht auskommen. In Amriswil kann er für die katholische Kirchgemeinde ein Stationenweg und ein Wandgemälde realisieren. In Bischofszell realisiert am Zeitglockenturm ein Plattenmosaik, das 1945 eingeweiht werden kann
Der Thurgau wird wichtiger
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird für Carl Roesch der Thurgau als Aktionsraum wichtiger. Er wird Mitglied in der Thurgauer Künstlergruppe und beteiligt sich im Juli 1949 an deren Ausstellung in Romanshorn, wenngleich sich seine Begeisterung in Grenzen hält: „Die Ausstellung selbst ist dürftig an Wagnissen. Feld, Wald und Wiesenmaler“, schreibt er in sein Tagebuch. Neben den Kunstschaffenden werden auch Persönlichkeiten wie der Direktor des Lehrerseminars, Willi Schohaus oder der Denkmalpfleger Albert Knöpfli als Gesprächspartner wichtig. Roesch kann schon 1944 im Regierungsgebäude den Staatskeller mit Mauerbildern schmücken. 1951 kann er in Schulhäusern in Kreuzlingen, Bürglen und Weinfelden grossformatige Wandbilder realisieren.
Gleichzeitig zu Intensivierung der Kontakte in den Thurgau bleibt Schaffhausen als Resonanzraum des Künstlers wichtig. So beteiligt er sich regelmässig an Ausstellungen.
Retrospektive zum 70sten Geburtstag
Zum 70. Geburtstag organisiert das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen eine umfassende Retrospektive: „Bilder, Bilder und kein Ende. Eine Ausstellung hat das Gute, dass der ganze Bestand in Ordnung kommt.“ Die Ausstellung wird zum Erfolg und zieht die Aufmerksamkeit vieler Kunstliebhaber nach sich: „Kunsthändler Beyeler aus Basel besucht mich und bleibt zum Nachtessen und anregendem Plaudern bis spät.“
Im Mai veranstaltet er eine grosse Geburtstagsfeier in seinem Atelier: Im Tagebuch vermerkt er:„Die Jungen machten im Geheimen eine Strolchenfahrt, holten einige Bäumchen und pflanzten sie unten am Rhein mir zu Ehren.“ Ende des Jahres stattet das Direktorium der Thurgauer Kantonalbank Carl Roesch einen Besuch ab, wählt sechs Bilder aus und legt damit den Grundstock zu einer Roesch-Sammlung, die neben der 1961 eröffneten Sammlung im Oberen Amtshaus in Diessenhofen zu den grössten und umfassendsten gehört.
Ab 1953 beschäftigt sich Roesch auch intensiv mit der Planung und Umsetzung von drei monumentalen Scheiben im Chorhaupt des Münstlers zu Allerheiligen. Diese werden 1955 eingesetzt, bereiten dem Künstler aber mehr Verdruss als Freude.
Geehrt durch ein Buch
Anfang Dezember erscheint im Huber Verlag Frauenfeld die erste umfassende Publikation über das Schaffen von Carl Roesch. Der Autor Albert Knöpfli und der Künstler haben vier Jahre lang intensiv mit diesem Projekt gearbeitet. Für den 73-jährigen Roesch bedeutet das Buch und die vielen positiven Rückmeldungen darauf eine grosse Genugtuung und Bestätigung seines Wegs. Neben den frühen kunstgewerblichen Arbeiten und der Malerei werden vor allem auch sein Schaffen im öffentlichen Raum in Bild und Text breit dokumentiert. Es entschädigt den Künstler dafür, dass die seit den Kriegsjahren geplante Publikation über seine Mosaiken nierealisiert werden konnte.
Ehrenbürgerrecht von Diessenhofen
Nach einem Spitalaufenthalt beginnt der 75jährige Roesch im April, die ihm vermehrt angetragenen Aufträge reihenweise abzusagen. Mit einer Fülle von Aquarellen legt er den Grundstein für sein vom Kunstgeschehen der Nachkriegszeit geprägtes Alterswerk, dessen Kern Figurenkompositionen bilden. Mosaike für die Filiale der Kantonalbank in Ermatingen (1957), am GF-Werkschulgebaude (/1957) oder für den Friedhof in Diessenhofen (1959) sind die letzten grossen Arbeiten für den öffentlichen Raum, die er umsetzt.
Im September verleiht ihm die Stadt Diessenhofen das Ehrenbürgerrecht. Am Jahresende notiert Roesch im Tagebuch: „Blicke auch etwas zurück auf das vergangene Jahr, das mit Ausnahme meines [Augen]Leidens, eines der besten war. Nicht wegen dem Mosaik im Friedhof, dem Ehrenbürger, der Wand in Minusio, sondern dem Fortschritt in der Malerei wegen . Ich bin gleichsam jünger und wagemutiger geworden und dies ohne Absicht, ohne Spekulation. Wage es sogar, die Frucht jahrzehntelanger Studien in eine abstraktere Form zu bringen.“
Der Künstler beschenkt die Stadt Diessenhofen
Carl Roesch überlässt der Stadt Diessenhofen alle Bilder, die zu diesem Zeitpunkt im Oberen Amtshaus ausgestellt sind mit dem Ziel, der Öffentlichkeit einen Überblick über das Schaffen des Künstlers zu geben. Für den Unterhalt der Sammlung legt er noch 10'000 Franken dazu
1970 und 1977 ergänzt Roesch diese erste Schenkung, wodurch die Stadt Diessenhofen im Museum Kunst+Wissen die bedeutendste Sammlung von Werke des Künstlers besitzt.
Seinen 80sten Geburtstag feiern Carl und Margrit Roesch zusammen mit eingeladenen Gästen mit einer Schifffahrt von Diessenhofen zum Bodensee und zurück.
Nach einem Tessinaufenthalt zu Beginn des Jahres setzt Roesch – noch immer experimentierfreudig – seine Versuche mit Acrylfarbe fort, die er im Vorjahr begonnen hat. Bis März entstehen zehn kleine Bilder: „Ein kleines Bild. Acrylfarbe. Vom Besten, was mir schon gelungen. Ein zweites, verworfen. Ein drittes kleines.“ Im Mai wird die rund hundert Arbeiten aus sieben Jahrzehnten umfassende Ausstellung zum 85. Geburtstag im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen eröffnet.
Im September beginnt sich Margrits Gesundheitszustand zu verschlechtern und macht ihre Einlieferung ins Spital nötig. Am 2. Dezember stirbt sie im Alter von 89 Jahren. Roesch flüchtet sich in die Arbeit: „Mit Malen begonnen. Man gibt sich ganz, wie es sein soll, der Arbeit hin, dazwischen wie Blitze die schreckliche Tatsache: Gret kommt nie mehr.“
Wie ein erloschener Vulkan
Das Interesse am Werk von Carl Roesch ist ungebrochen. Eine Ausstellung im Frauenfelder Kunstverein wird 1972 zum Verkaufserfolg. Der Künstler empfindet dies allerdings eher als Ausverkauf. Er klagt oft über grosse Müdigkeit und schlechtes Befinden. Zwar malt er wenn möglich noch jeden Tag. Die Formate werden aber kleiner und das selbst geführte Inventarbuch der Tempera und Ölbilder verzeichnet für das Jahr 1972 nur noch wenige Einträge. Danach gibt es keine Eintragungen mehr, was zumindest als Hinweis gelesen werden kann, dass ihm die stehende Arbeit an der Staffelei zu mühsam geworden ist und sich sein künstlerisches Schaffen von nun an auf das Zeichnen und Aquarellieren beschränkt. Arbeiten auf Papier entstehen noch bis 1979, dem Todesjahr des Künstlers.
Im Sommer gibt Roesch auch das Tagebuchschreiben auf. In einer der letzten Eintragungen schreibt er: «Immer dauernde Müdigkeit. Ich komme mir vor, wie ein erloschener Vulkan.»
95ster Geburtstag und Tod
Zum 95. Geburtstag am 9. Mai richten das Kunstmuseum Thurgau in der Villa Sonnenberg in Frauenfeld und der Kunstverein Frauenfeld Ausstellungen zum Werk von Carl Roesch aus. Die breite Berichterstattung in den Zeitung dokumentiert die Bekanntheit des Künstlers weit über die Grenzen des Kantons hinaus.
Am 27. November, dem 68. Hochzeitstag des Ehepaars Roesch, stirbt der Künstler in seinem Haus in Diessenhofen.
Kontaktadresse
Carl und Margrit Roesch-Stiftung
Markus Landert, Stiftungsratspräsident
Lachenstrasse 25a
8500 Frauenfeld